„[…] bitte bedenkt die möglichen witterungsbedingten Erschwernisse, die uns auf der Wanderung begegnen könnten. Durch das Tauwetter der letzten Tage und nächtliche Frosttemperaturen dürften nicht nur Matsch, sondern auch glatte Stellen uns auf dem Weg begegnen […]“. Dieser vorsorgliche Hinweis an die Teilnehmer, zwei Tage vor der von mir angesetzten Wanderung, verunsicherte wohl so manchen Interessenten und mich erreichten nach und nach Absagen, die mit großem Bedauern einhergingen.
Trotzdem erschienen am Wandertag immerhin 17 ‚risikofreudige‘ Wandersleute, die meisten mit Trekkingstöcken ‚bewaffnet‘ und wie mein kritischer Blick sofort feststellen konnte, auch mit dem von mir zuvor eingeforderten wandergerechten Schuhwerk ausgestattet.
Beschwingt traten wir die Wanderung rechter Hand vom Bahnhof Dallgow-Döberitz über den im Jahre 1720 angelegten Grünzug am Schwanengraben an. Flussbarsch, Rotfeder, Brachse, Hecht und Rotauge versteckten sich unter einer noch recht dicken Eisdecke, ebenso ließen sich Wildschweine, Füchse und Biber heute nicht blicken, die sonst hier gerne verweilen sollen.

Der gefrorene Schwanengraben…
Der mittig noch sehr vereiste Weg ließ sich an den Rändern jedoch gut passieren. Schon ganz anders sah es am leichten Anstieg nach Verlassen der Straße ‚Artilleriepark‘ in das Naturschutzgebiet der Döberitzer Heide aus. Hier war der gesamte Wegbereich eine Herausforderung und unter Stockeinsatz und Halt am seitlichen Grundstückszaun drückten und zogen wir uns die leichte Anhöhe hinauf, was zu meinem Bedauern eine Wanderfreundin zur Aufgabe bewegte. Letztendlich sollte diese Stelle in der Tat die einzige größere Herausforderung bleiben, allerdings gilt bei Unsicherheit hier auch mein volles Verständnis für eine solche Entscheidung.
Nach ca. 500 m bogen wir nach links in Richtung Hasenfelder Berg ab, um kurz vor dem Kluckersfenn nach rechts zur Kernzone einzuschwenken. Ein zweihundert Meter langer Abstecher in den Bereich der Przewalski-Pferde war leider nicht von Erfolg gekrönt und so liefen wir weiter, bis wir auf halber Wegstrecke eine kurze Stärkungspause in einer idyllisch gelegenen ‚Knorpelschänke‘ für ein paar Minuten einlegten. Viel länger durfte der Aufenthalt nicht dauern, kroch doch merklich der leicht kühle Wind unter die Kleidung und drohte die erwärmten Körperregionen anzugreifen.

Wegkreuzung in der Döberitzer Hasenheide…
Zur aufgekommenen Frage, was der Obelisk in der Heide bedeute, spuckte mir die KI nachträglich das folgende Ergebnis aus: „Kaiser Wilhelm II. ließ den Obelisken auf dem Hasenheider Berg in der Döberitzer Heide 1903 errichten, um an das große Herbstmanöver von König Friedrich dem Großen im Jahr 1753 zu erinnern, das auf dem Gelände stattfand, und um die militärische Tradition der preußischen Armee zu ehren, die 150 Jahre zuvor dort geübt hatte.“
Die einst am Obelisken eingelassenen Erklärungstafeln aus Marmor wurden entfernt und in den vorhandenen Aussparungen sollen nun Fledermäuse nisten. Eingefasst mit starken Ketten und mit Kanonenkugeln ‚verziert‘, erinnert dieser Obelisk an Preußische Geschichte.
Unterwegs informierte ich die Wanderfreunde über die Entwicklung vom Truppenübungsplatz zum Naturschutzgebiet, denn über 300 Jahre lang wurde das Gelände militärisch genutzt. Inzwischen entstanden nach der Wende diverse Lebensräume mit Trockenrasen, Heiden, Mooren, Feuchtwiesen, Röhrichten, Flugsandfeldern, Binnendünen und Laubmischwäldern.

Unterwegs auf dem kurvigen Besenginsterweg…
Brände, Explosionen und Kettenfahrzeuge hinterließen große Offenlandschaften, die ökologisch sehr wertvoll sind. 2004 erwarb die Heinz Sielmann Stiftung das riesige Areal, um es für die Natur zu sichern.
Wermutstropfen der zu jeder Jahreszeit reizvollen Wanderung: Weder die größte Wisentherde Deutschlands, die Przewalski-Pferde, noch die Rothirsche ließen sich in der 1.860 Hektar großen „Wildniszone“ blicken. Sie befanden sich offenbar im Kernbereich oder lagen in Kuhlen im Unterholz versteckt, um sich gegenseitig zu wärmen. Der ehemalige Truppenübungsplatz mit seinen lichten Wäldern, offenen Heideflächen und vereinzelten Feuchtgebieten ist ein weitläufiges Refugium und bietet den Wildtieren – insbesondere im Winter – viele Möglichkeiten, sich vor den Blicken der Menschen zu verstecken, auch um Energie zu sparen.

Blick zum Giebelfenn…
Nach Verlassen der Naturlandschaft wanderten wir über die frühere Interzonenstrecke Berlin-Hamburg, die nun neu ausgebaute B 5, und nutzten auf dem weiteren Weg zum Bahnhof den Engelspfuhl-Park mit seinem Teich, um dann die Kath. Kirche St. Johannes der Täufer und das Caritas-Seniorenzentrum St. Johannes zu passieren.
Der alte Dallgower Bahnhof bot einen idealen Pilgerort zum Abschluss der in Teilen herausfordernden Tour. Ein richtig schönes saftiges Rindersteak mit einem wohlverdienten Bier, aber auch leckere Pfannengerichte und sogar vegetarische Kost in ausgesprochen harmonischer Runde, wussten die Wanderfreunde sehr zu schätzen. Somit war auch für einen idealen Abschluss unseres heutigen Wandertages gesorgt.
Die Zufriedenheit der Teilnehmer drückte für viele Wanderbegeisterte stellvertretend Wanderfreund Johannes mit folgenden Worten aus: „Vielen Dank lieber Bernd für diese grandiose Wanderung. Und die Atmosphäre in der großen Runde beim Essen war ganz wunderbar“. Dafür gilt mein herzlicher Dank, gibt es doch für einen Wanderführer nichts Schöneres als eine solche Anerkennung.

Sehr schmackhafte Stärkung!
In dieser Tischrunde wurde der Wunsch an mich herangetragen, in der Blütezeit der Heide, eine nochmalige Wanderung anzubieten, dem ich trotz gefülltem Wanderkalender gerne nachkommen möchte. Diese Wanderung wird dann, um den erwartbaren größeren Besucherstrom zu umgehen, wochentags von mir angeboten werden…
Dank gebührt auch meinem passionierten Vielwanderer- und Wanderblogger-Freund Frank Meyer vom MWB, der nach seiner Wanderung durch die Döberitzer Hasenheide empfahl, „auf die gerade Schotterpiste beim Obelisken zu verzichten und den kurvigen Wiesenweg parallel dazu stattdessen zu nutzen.“
Diesem Ratschlag von kompetenter Seite kam ich gerne nach und baute diesen kurvigen Weg, der über weiten Teilen von meterhohem Besenginster gesäumt wird, in die geplante Tour ein. Dadurch kann ich Franks Einschätzung hinterher nur bestätigen. Dieser Weg ist sicher zur Blütezeit in den Monaten Mai/Juni ein weiteres Highlight dieser Wanderung.
Weitere Impressionen finden sich in der Tourenaufzeichnung bei komoot: https://www.komoot.com/de-de/tour/2753354512
Bernd F. Bernhard
Zertifizierter DWV-Wanderführer®
Ausbildung zum Natur- und Landschaftsführer (BANU)
Spezialisiert auf Mehrtages-, Nacht- und Radwanderungen
