Nachdem diese Wanderung am 17. Januar d. J. auf reges Interesse stieß, versprach ich, sie zur Zeit der Ginsterblüte nochmals anzubieten. Brandenburgs Wanderenthusiast Frank Meyer gab mir – zusammen mit einer diesmal kleineren, aber sehr homogenen Gruppe – die Ehre, mich auf dieser zu jeder Jahreszeit empfehlenswerten Tour zu begleiten.

Beschwingt traten wir die Wanderung rechter Hand vom Bahnhof Dallgow-Döberitz über den im Jahre 1720 angelegten Grünzug am Schwanengraben an. Flussbarsch, Rotfeder, Brachse, Hecht und Rotauge fühlen sich dort inzwischen wohl, Wildschweine, Füchse und Biber, die sonst hier gerne verweilen, ließen sich heute nicht blicken.

Vor der ‚Roten Brücke‘ am Schwanenteich (Foto: ©Bernd F. Bernhard)

Beim Verlassen der Straße ‚Artilleriepark‘, hinein in das Naturschutzgebiet der Döberitzer Heide, berichtete ich über den dortigen vereisten Anstieg, der Ende Januar eine Teilnehmerin zur Umkehr veranlasste. Damals war der gesamte Wegbereich eine Herausforderung und unter Stockeinsatz und Halt am seitlichen Grundstückszaun drückten und zogen wir uns, bei unserer winterlichen Wildniswanderung die leichte Anhöhe hinauf.

Wieder bogen wir nach ca. 500 m nach links in Richtung Hasenfelder Berg ab, um kurz vor dem Kluckersfenn nach rechts zur Kernzone einzuschwenken. Ein zweihundert Meter langer Abstecher in den Bereich der Przewalski-Pferde (für mich ein Zungenbrecher, trotz Übungsversuchen) war leider abermals nicht von Erfolg gekrönt und so liefen wir weiter, bis wir auf halber Wegstrecke für ein paar Minuten eine kurze Stärkungspause in einer idyllisch gelegenen ‚Knorpelschänke‘ einlegten. Viel länger durfte der Aufenthalt nicht dauern, kroch doch merklich der leicht kühle Wind unter die Kleidung und drohte die erwärmten Körperregionen anzugreifen.

Erste Knospen öffnen sich am ‚Ginsterweg‘ (Foto: © Bernd F. Bernhard)

Zur aufgekommenen Frage, was der Obelisk in der Heide bedeute, spuckte mir die KI das folgende Ergebnis aus: „Kaiser Wilhelm II. ließ den Obelisken auf dem Hasenheider Berg in der Döberitzer Heide 1903 errichten, um an das große Herbstmanöver von König Friedrich dem Großen im Jahr 1753 zu erinnern, das auf dem Gelände stattfand, und um die militärische Tradition der preußischen Armee zu ehren, die 150 Jahre zuvor dort geübt hatte.“

Die einst am Obelisken eingelassenen Erklärungstafeln aus Marmor wurden entfernt und in den vorhandenen Aussparungen sollen nun Fledermäuse nisten. Eingefasst mit starken Ketten und mit Kanonenkugeln ‚verziert‘, erinnert dieser Obelisk an Preußische Geschichte.

Verfallene Bunkeranlage (Foto ©Bernd F.Bernhard)

Unterwegs informierte ich die Wanderfreunde über die Entwicklung vom Truppenübungsplatz zum Naturschutzgebiet, denn über 300 Jahre lang wurde das Gelände militärisch genutzt. Inzwischen entstanden nach der Wende diverse Lebensräume mit Trockenrasen, Heiden, Mooren, Feuchtwiesen, Röhrichten, Flugsandfeldern, Binnendünen und Laubmischwäldern.

Brände, Explosionen und Kettenfahrzeuge hinterließen große Offenlandschaften, die ökologisch sehr wertvoll sind. 2004 erwarb die Heinz Sielmann Stiftung das riesige Areal, um es für die Natur zu sichern.

Galloway-Rinder (Foto: ©Bernd F. Bernhard)

Wermutstropfen der zu jeder Jahreszeit reizvollen Wanderung: Weder die größte Wisentherde Deutschlands, die Przewalski-Pferde, noch die Rothirsche ließen sich in der 1.860 Hektar großen „Wildniszone“ blicken. Sie befanden sich offenbar im abgetrennten Kernbereich oder lagen in Kuhlen im Unterholz versteckt. Dafür entschädigten uns Gallowayrinder, Wasserbüffel, Schafe und Bündner Strahlenziegen, mit ihrem charakteristischen schwarzen Fell und weißen Abzeichen, die sich hier als ‚Landschaftspfleger‘ auf den ‚Wilden Wiesen‘ betätigen und sich oft recht fotogen in Position brachten.

Der ehemalige Truppenübungsplatz mit seinen lichten Wäldern, offenen Heideflächen und vereinzelten Feuchtgebieten ist ein weitläufiges Refugium und bietet den Wildtieren viele Möglichkeiten, sich vor den Blicken der Menschen zu verstecken, auch um Energie zu sparen.

Ein Weg durch das weitläufige Refugium (Foto: ©Bernd F. Bernhard)

Nach Verlassen der Naturlandschaft wanderten wir über die frühere Interzonenstrecke Berlin-Hamburg, die nun neu ausgebaute B 5, und nutzten auf dem weiteren Weg zum Bahnhof den Engelpfuhl-Park mit seinem Teich, um dann die Kath. Kirche St. Johannes der Täufer und das Caritas-Seniorenzentrum St. Johannes zu passieren.

Der alte Dallgower Bahnhof bot einen idealen Pilgerort zum Abschluss der Tour. Ein richtig schönes saftiges Rindersteak mit einem wohlverdienten Bier, aber auch leckere Pfannengerichte und sogar vegetarische Kost in ausgesprochen harmonischer Runde, wussten die Wanderfreunde sehr zu schätzen. Somit war auch für einen idealen Abschluss unseres heutigen Wandertages gesorgt.

Am Ende war Stärkung angesagt (Foto: ©Bernd F. Bernhard)

Dank gebührt meinem passionierten Vielwanderer- und Wanderblogger-Freund Frank Meyer vom Märkischen Wanderbund, der nach seiner Wanderung durch die Döberitzer Hasenheide empfahl: „auf die gerade Schotterpiste beim Obelisken zu verzichten und den kurvigen Wiesenweg parallel zu nutzen.“

Ich freue mich, Frank, dass diese Tour nun sogar zu deiner Lieblingsvariante im nördlichen Bereich der Heide geworden ist. Leider benötigt der Ginster noch mehr warme Tage und weniger Regen, damit er zur Hochform auflaufen kann…

Zu weiteren Impressionen dieser Wanderung führt dieser Link zur WanderApp komoot: https://www.komoot.com/de-de/tour/2940661147

Dieser Link führt zur Tourenaufzeichnung von Frank: https://www.komoot.com/de-de/tour/2940942758

 

Bernd F. Bernhard
Zertifizierter DWV-Wanderführer®
Ausbildung zum Natur- und Landschaftsführer (BANU)
Spezialisiert auf Mehrtages-, Nacht- und Radwanderungen