Nach knapp sechs Stunden Fahrzeit mit der DB trafen die Teilnehmer der Nordsee-Küstenradtour nacheinander nachmittags am Hbf. in Wilhelmshaven ein. Wer am Hbf. Hannover umstieg, hatte hier ein regelrechtes Wow-Erlebnis.
Zwei äußerst freundliche Damen der DB halfen und griffen beherzt zu, um die schweren E-Bikes aus dem Zugabteil auf den Bahnsteig zu befördern. Dieser Service sollte bundesweit Schule machen!
Unser Super-Radler ‚Herbi‘ war von Potsdam mit dem Rad gestartet und schon wenige Tage vor uns in Wilhelmshaven eingetroffen. Er empfing Monika und mich und machte uns mit dem Fahrradraum bekannt. Gemeinsam fuhren wir nach dem Check-in zurück zum Bahnhof, um Peter abzuholen.

Deutsches Marinemuseum Wilhelmshaven (Foto: ©Bernd F. Bernhard)
Es folgte eine kleine Stadtrundfahrt, insbesondere durch den Nassau Hafen und über den Südstrand mit seinem Marinemuseum, die uns letztlich auch zum ‚Le Patron am Meer‘ führte, wo ich zum Abendessen einen Tisch reserviert hatte. Das schmackhafte Essen rundete den ersten Tag unser Fahrradreise ab…
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Teilstrecke: Wilhelmshaven – Nordseebad Tossens (63 km)
Von einem opulenten Frühstücksbuffet gestärkt, sattelten wir unsere Räder und traten die erste Teilstrecke auf dem Nordsee-Küstenradweg an. Am JadeWeserPort, Deutschlands einzigem Tiefwasserhafen mit bis zu 18 Metern Wassertiefe, hätten wir bei ruhigem Wetter noch einen Blick auf die Schweinswale werfen können, die zu dieser Jahreszeit gerne den Jadebusen zur Nahrungsaufnahme besuchen.
Leider machte uns Petrus einen Strich durch diese freudige Erwartung, denn er blies mit Böen von 55 km/h mal von hinten, mal von vorn. Die kleine Rückenfinne der kleinsten Walart war somit durch den Wellengang nicht erkennbar.
Vorbei am Großen Hafen, Innenhafen und Banter See erreichten wir den Jade-Weser-Airport, der 1927 von einer kleinen Schar tollkühner Männer gegründet wurde und heute zu einem respektablen Wirtschaftsfaktor in der Region herangewachsen ist.
Ein kurzer Regenschauer begleitete uns in Richtung Dangast. Das älteste Seebad an der Nordseeküste ist heute ein Künstlerort. Von seinem Geestrücken hatten wir einen herrlichen Ausblick über den gesamten Jadebusen. Durch seine erhöhte Lage benötigt der Ort keinen Deichschutz.
Ein kleiner Abstecher führte uns auf den Salzwiesenpfad bei Sehestedt mit seinem schwimmenden Moor. Vom Strand Eckwarderhörne, vis-à-vis vom Innenhafen Wilhelmshaven, genossen wir einen wunderbaren Blick über die engste Stelle des Jadebusens.
Bald darauf erreichten wir den Kurort Tossens auf der Halbinsel Butjadingen, wo wir in der Nähe vom Friesenstrand Quartier im Kurhotel Strandhof bezogen. Nach meinem Empfinden war diese Unterkunft eine der besten auf unserer gesamten Radwanderung.
Ziemlich überstürzt brachen wir nach dem Check-in mit dem Bus 400 noch zu einer abendlichen Rundwanderung auf dem Langwarder Groden auf, was auf dem Rückweg zur gemeinsamen Schlüsselsuche zweier Teilnehmer führen sollte. Der Langwarder Groden wurde 2024 zum Naturwunder des Jahres gekürt. Bei Niedrigwasser führen Stege weit hinaus ins Wattenmeer.
Bei Ankunft im Hotel kam uns der Betreiber schon freudestrahlend mit den an unterschiedlichen Stellen gefundenen Zimmerschlüsseln entgegen. Ende gut, alles gut!
Im daneben gelegenen Restaurant nahmen die Herren noch einen kleinen Absacker zu sich, bevor man sich zur Ruhe bettete.

Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer bei Ebbe (Foto: ©Bernd F. Bernhard)
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Teilstrecke: Kurort Tossens – Sahlenburg/Cuxhaven (84 km)
Nach einem ausgiebigen Frühstücksbuffet starteten wir mit vollgeladenen Akkus auf eine der längsten Teilstrecken unserer Küstentour. Der Weg führte uns über den Friesenstrand an den Tossener Deich, von dem man rückblickend noch Wilhelmshaven erkennen konnte. Auf fantastischem Asphalt glitten wir über den Deich und waren bald dort, wo wir abends zuvor noch hinaus auf den Langwarder Groden gewandert waren. Abertausende Deichschafe blökten uns begrüßend entgegen. So erreichten wir den Fischerhafen Fedderwardersiel mit seinem Krabbenhafen. Der Strand von Burhave mit typischen Reetdachhäusern folgte und schon bald lag vor uns die Skyline von Bremerhaven.
Wir passierten den Flughafen Blexen und wandten uns Richtung Nordenham. Das über 110 Jahre alte Weserschlösschen Blexen, einst Bahnhof der Eisenbahnstrecke Nordenham-Blexen, bot ein herrliches Fotomotiv, bevor es nun recht forsch auf die einlaufende Weserfähre ging. In Bremerhaven angekommen, nahmen wir Kurs zum Weser-Strandbad und kehrten auf eine Erfrischung im Panorama Restaurant ein, das gerade öffnete.
Nach so viel Natur waren die Eindrücke dieser Hafenstadt ein krasser und ganz spontaner Gegenentwurf. Wir passierten: das ATLANTIC Hotel Sail City – ein markantes Wahrzeichen der Stadt – das Klimahaus, die Glaskuppel über dem Outlet & Shopping Center und das markante Hochhausensemble des Columbus-Centers. Das ‚Deutsche Auswandererhaus‘ und der Innenhafen mit den Booten Seefalke, Elbe 3 und U-Boot Wilhelm Bauer kreuzten unseren Weg. Dieser Hafen wurde von 900 Arbeitern einst händisch ausgeschachtet.
Wir erreichten die ‚Letzte Kneipe vor New York‘ im Containerhafen, als ein kräftiger Regenschauer uns ‚erfrischte‘…
Vorbei an riesigen Container- und Autotransportschiffen verließen wir über Weddewarden dann den Containerhafen, um über den EuroVelo 12 Küstenradweg nach Wremen und weiter auf dem Deichverteidigungsweg am Nordseedeich Kurs Richtung Cuxhaven zu nehmen.
In Dorum‑Neufeld statteten wir dem Leuchtturm Oberheversand einen Besuch ab, wobei Peter und ich den Turm erstiegen. Ein wunderbarer Ausblick übers Wattenmeer und den Hafen von Dorum-Neufeld eröffnet sich. Weiter fuhren wir über den Deichweg nach Cappel-Neufeld, Berensch-Arensch und gelangten dann zum Sahlenburger Strand, wo wir nach rechts in den Ort zu unserer Unterkunft, dem Mertinkus-Hotel, abbogen.
Nach dem Check-in begaben wir uns zurück an den Strand, um im erhöht liegenden Kliff-Restaurant den Tag bei Speis und Trank sowie einem wunderschönen Sonnenuntergang über dem Meer ausklingen zu lassen.

Weserschlösschen in Blexen (Foto: ©Bernd F. Bernhard)
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Teilstrecke: Sahlenburg/Cuxhaven – Balje/Hörne (51 km)
Heute ließen wir uns Zeit mit dem Aufstehen und Frühstücken, lag doch einer der kürzesten Streckenabschnitte vor uns. Über das Pennworthmoor verließen wir Sahlenburg und fuhren bald darauf über einen malerischen, von Bäumen gesäumten Weg und dem Naturlehrpfad Duhner Heide zum Dünenweg, der uns parallel zur Küste, vorbei am Strandhaus Döse zur Kugelbake führte.
Die hölzerne Kugelbake ist ein Seezeichen, das die seewärtige Begrenzung der Elbe markiert und Wahrzeichen der Stadt Cuxhaven. Auf dieser Landzunge befindet sich außerdem das Fort Kugelbake, im neunzehnten Jahrhundert errichtet, um mit seinen 14 Küstengeschützen feindlichen Kriegsschiffen die Zufahrt zur Elbe zu versperren. Fort Kugelbake gilt als das letzte erhaltene Artilleriefort der Marine an der deutschen Nordseeküste.
Unseren nächsten Stopp legten wir gleich darauf an der ‚Alten Liebe‘ ein. Wir besichtigten das Semaphor von Cuxhaven, es zeigte einst den vorbeifahrenden Schiffen Windstärke und Windrichtung bei den Inseln Borkum (B) und Helgoland (H) an. Selbstverständlich statteten wir auf unserem Rundgang an der Grimmershörnbucht auch dem Minensucher-Denkmal einen Besuch ab, das den Opfern zur Ehre und Erinnerung gewidmet wurde. Nachdem wir die Skulptur Vogelflug aufgesucht hatten, radelten wir über die Cuxhavener Klappbrücke zwischen Schleusenpriel und Altem Fischereihafen entlang, um danach einen Abstecher in die Altstadt von Cuxhaven zu unternehmen.
Während die Gruppe zielsicher das ‚Backwerk‘ in der Fußgängerzone ansteuerte, ließ ich mich auf einer Bank bei der Skulptur ‚Ewige Welle‘ und dem historischen Gaffelschoner ‚Hermine‘ nieder und genoss in aller Ruhe die herrliche Grünanlage am Ritzebüttler Schleusenpriel.
Wieder vereint, begegneten wir auf unserem weiteren Weg dem Historischen Wasserturm und verließen am Bahnhof entlang, über den Cuxhavener Industrieradweg die Stadt, um auf den Elberadweg einzubiegen.
Nun gerieten wir kurz nach dem Aussichtsturm Altenbruch im Naturpark Nordsee, in Höhe vom Bojenstrand, in das Spektakel vom jährlichen Drachenfest, das am Himmelfahrtstag den Himmel mit unzähligen Drachenmotiven verzauberte. Immer am Deichkronenweg entlang und nach der Schiffswrack-Skulptur am Hadelner Sagenweg und der Hadelner Schleuse folgten wir dem Hadelner Kanal und gelangten so nach Belum.
Bei einem Abstecher nach Neuhaus/Oste erfrischten wir uns mit Eis und Getränken im Garten vom örtlichen Brauhaus, um dann zwischen Oste und dem Ostesee weiterzufahren. Über das Ostesperrwerk erreichten wir schließlich den Etappenendpunkt – Hotel Zwei Linden – in Balje/ Hörne, wo wir nach einem guten Abendessen in die Betten sanken.

Strand von Cuxhaven-Duhnen (Foto: ©Bernd F. Bernhard)
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Teilstrecke: Balje/Hörne – Jork/Borstel (81 km)
Heute lag noch einmal eine Wegstrecke von gut 80 km vor uns, die wir nach einem guten Frühstück motiviert angingen. Mit Blick auf das Ober- und Unterfeuer Balje radelten wir geradlinig auf dem Gellertweg durch die Felder über feinstem Asphalt. Hier erreichten wir den Elbedeich und bogen darauf nach rechts ab. Auf der anderen Elbeseite lag Brunsbüttel, von wo ich vor zwei Jahren mit Wanderfreunden den Nord-Ostseekanal bis nach Kiel erkundet hatte.
Es folgte auf der anderen Seite der Elbe Brokdorf mit seinem stillgelegten Kernkraftwerk. Vorbei am alten Kornspeicher von Freiburg wartete ich auf die übrige Gruppe auf einer Bank am Freiburger Hafen, die kleine Einkäufe in dem Städtchen tätigte.
Über den Allwörder Deich verließen wir Freiburg/Elbe, bestiegen kurz den Aussichtsturm Nieuorth und passierten den Fährhafen Wischhafen – Glückstadt. Da die Klappbrücke vor Ort leider wochentags zurzeit permanent hochgeklappt ist, fuhren wir sozusagen gegen die Wand. Ein Umweg von gut 5 km ‚zwang‘ uns zur Einkehr in der Kehdinger Backstube in Wischhafen mit Kaffee und Kuchen.
So wieder zu Kräften gekommen, steuerten wir über die befahrbare Klappbrücke in Dornbusch Krautsand-Pier an, wo wir wieder auf den Elberadweg am Deich stießen. Vorbei am Preußischen Artilleriefort Grauerort erreichten wir schließlich Bützfleth und gönnten uns einen Blick über die Elbe zur Insel Lühesand bei Twielenfleth.
Wir querten den Apfelgarten an der Elbe und das Lühesperrwerk bis wir zur Jork Borstel Marina kamen. Durch endlose Apfelplantagen bogen wir nun nach rechts ab und landeten darauf bald in Jork/Borstel, wo wir der Borsteler Reihe bis zum Ortszentrum folgten. Hier, in der Alten Schmiede, wartete nicht nur ein deftiges Abendessen auf uns, sondern auch unser Nachtlager.
Ich beschloss, mir noch vor dem Essen eine kleine Ortsbesichtigung dieses reizvollen Städtchens nicht entgehen zu lassen und lasse die Bilder diesbezüglich für sich sprechen…

Traditioneller hölzerner Jugendwanderkutter im Freiburger Hafenpriel /Foto: ©Bernd F. Bernhard)
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Teilstrecke: Jork/Borstel – Hamburg Hbf. (58 km)
Am letzten Tag führte unsere Radtour von Jork/Borstel, einem Städtchen mit wunderschönen alten Fachwerkhäusern und Reetdächern, durch das größte Obstanbaugebiet Deutschlands – das ‚Alte Land‘ – und weiter durch die Fischbeker Heide zum Hbf. in Hamburg. Hier traten drei Radler die Rückfahrt an, während unser Super-Radler Herbi sich nach einer Stärkung bei ‚Schweinske‘ in Richtung Lauenburg und Boizenburg verabschiedete…

Neue Elbbrücke Hamburg (Foto ©Bernd F. Bernhard)
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Bernd F. Bernhard
Zertifizierter DWV-Wanderführer®
Ausbildung zum Natur- und Landschaftsführer (BANU)
Spezialisiert auf Mehrtages-, Nacht- und Radwanderungen
