…eine naturbegeisterte kleine Wandergruppe traf sich heute mit mir an den Emstaler Brotbacköfen, wobei ich eine Teilnehmerin sogar aus der Region Stendal begrüßen durfte.
Das von Laubwäldern und Seen geprägte Naturschutzgebiet hielt so manche Überraschung für uns bereit. Das weitgehend naturbelassene Schutzgebiet der Lehniner Mittelheide und des Quellgebietes der Emster weist neben ehemaligen Torfstichen, Quellmooren, Erlenbruchwäldern und Seggenwiesen auch herrliche alte Eichenmischwälder auf.
Unser Weg führte zunächst durch das kleine Dörfchen Emstal, wo ich die Teilnehmer über die Historie der örtlichen Lehmbacköfen informierte und sie auf den morgigen Brotbacktag hinwies. In die Emstaler Dorfkirche, ursprünglich erbaut im Jahre 1710, erweitert im Jahre 1890, versuchten wir vergeblich zu gelangen, war sie doch leider – wie heutzutage zunehmend aus guten Gründen – verschlossen.

Seerosenteich am ‚Emstaler Schlauch‘ (Foto: ©Bernd F. Bernhard)
Wir wandten uns nun am Ortsrand von Emstal dem Ostufer des ‚Emstaler Schlauchs‘ zu und verweilten kurz am örtlichen Badestrand, um weiter zum Highlight der Rädeler Orchideenwiese zu wandern.
Mein großer Dank gebührt der örtlichen Wanderfreundin von komoot, hiking.with.Lena, die mir trotz eigener Touren freundlicherweise nicht nur den Tipp gab, die Tour wegen fortgeschrittener Vegetation vorzuziehen, sondern mir auch noch ein Brett zum Betreten des geschützten Bereiches hinlegte.

Letzte Orchideen der Gattung ‚Knabenkraut‘ (Foto: ©Bernd F. Bernhard)
Und tatsächlich, nachdem das Brett gefunden war, erblickten wir nicht nur eine, sondern noch etliche der in Brandenburg sehr raren Orchideen der Gattung Knabenkraut.
Allerdings war es tatsächlich der letzte Poeng, um in diesem Jahr der Orchideen wahrhaftig zu werden, im nächsten Mai wird sich dann dieses Schauspiel wiederholen. Jedem, der hieran Interesse findet, sei dringend ans Herz gelegt, niemals über die Feuchtwiese mit ihren unzähligen unter Naturschutz stehenden Pflanzen zu stiefeln.

Vogelscheuchen-Emblem erinnert an das Vogelscheuchenfest am 05. Juli (Foto: ©Bernd F. Bernhard)
Wir passierten das Naturdorf Rädel und bogen in Höhe der alten Ziegelei in Richtung der Badestelle am Gohlitzsee ab, wo wir in einer kleinen ‚Knorpelschänke‘ am Seeufer eine kurze Rast einlegten. Ich unterrichtete die Wanderfreunde über die Geschichte um das versunkene Dorf Gohlitz, wie sie der Schriftsteller Willibald Alexis in seinen Werken niederschrieb.
Unser nächstes Ziel war nun der Kiefernhain oberhalb einer kleinen Heidelandschaft mit Wacholdern, wo wir auf eine ganz besondere Sorte knorriger Kiefern trafen, die aus Gründen der leichteren Samengewinnung wie Obstbäume einst gepfropft wurden, um ohne Leiter an hochwertige Zapfen zu gelangen.

Knorriger Kiefernhain oberhalb des Gohlitzsees (Foto: ©Bernd F. Bernhard)
Am Gohlitzseeufer entlang orientierten wir uns schließlich zum Kesselhafen, einer Wendestelle am Emster Kanal, wo einst die gebrannten Ziegel auf dem Weg über die Havel zum Bau von Potsdam und Berlin verschifft wurden.
Eine Einkehr in der Lehniner Landbäckerei Kirstein mit ihren hervorragenden Torten stand nun an. Gut gestärkt machten wir uns bereit zum Rundgang auf dem Gelände des im Jahre 1180 gegründeten Klosters Lehnin, wo wir auch den Kreuzgang aufsuchten. Die Teilnehmer machte ich bei dieser Gelegenheit mit der Geschichte bekannt, wie Fürst Albrecht der Bär während der Jagd ermüdet an einer Eiche einschlief und die Jungfrau Maria ihm im Traum erschien.

Kreuzgang im Kloster Lehnin (Foto: ©Bernd F. Bernhard)
Über den idyllischen Mühlenteich wanderten wir schließlich hinaus aus Lehnin und wandten uns am Ortsausgang dem Waldgebiet der Mittelheide mit seinen vielen Feuchtgebieten zu. So kamen wir in die Nähe vom Kleinen und Großen Mittelsee und zu den ‚Finsteren Frauen‘, die von Willibald Alexis als Irrlicht in seinem Werk ‚Die Hosen des Herrn von Bredow‘ dargestellt werden.
Über den Karensee, einem idyllischen, einsamen Weiler in der Lehniner Mittelheide näherten wir uns dem Beelitzer Spargelhof am Hohen Steinfeld und den ehemaligen Unterkünften der Westgruppe der Truppen der UdSSR (GSSD), die heute restaurierte im Wald gelegene Wohneinheiten enthalten.

Idyllisch gelegener Karensee (Foto: ©Bernd F. Bernhard)
Auf verschlungenen Waldwegen gelangten wir nun zeitnah wieder zum Ausgangspunkt unserer Wanderung, den Backöfen von Emstal, von wo die Gruppe ihre Heimreise antrat.
Weitere Impressionen zu dieser Wanderung finden sich in der Aufzeichnung bei komoot: https://www.komoot.com/de-de/tour/2999121354
Bernd F. Bernhard
Zertifizierter DWV-Wanderführer®
Ausbildung zum Natur- und Landschaftsführer (BANU)
Spezialisiert auf Mehrtages-, Nacht- und Radwanderungen
