Zurzeit ist mein Wanderkalender vollgepackt, deshalb ‚versuche‘ ich mich kürzer zu fassen. Ich habe nicht nur die Tour des Brandenburger Wanderenthusiasten Frank Meyer übernommen – die er vor Jahren in der Blütezeit der Kyritz-Ruppiner Heide vorwanderte –, sondern werde auch Passagen seiner trefflichen Beschreibung entlehnen.
Auf Grund des Wetterberichtes erschien es mir notwendig, die Wanderung um einen Tag zu verschieben, was einvernehmlich von der kleinen, mich wochentags begleitenden Gruppe begrüßt wurde. So blieben wir über den gesamten Streckenverlauf trocken und konnten bei moderaten Wandertemperaturen und einer leichten Brise, die aufgeblühte Heide in aller Ruhe genießen.

Das Abflammen der Heide – eine Pflegemaßnahme (Foto: ©Bernd F. Bernhard)
Den von Frank eingebauten kleinen Schlenker hinein nach Pfalzheim ließen wir allerdings aus, genossen dafür länger den Blick vom Heideturm auf dem Sielmann-Hügel und rasteten ausgiebig in den überdachten, herrlich gelegenen Schutzhütten entlang des Weges.
Nun lasse ich auszugsweise Frank zu Worte kommen, der trefflich diese Wanderung, auch von der geschichtlichen Seite her, kommentierte:

Calluna-Heide (Foto: ©Bernd F. Bernhard)
„[…] Ganz kurz zur Historie: die Bundeswehr wollte nach Abzug der sowjetischen Streitkräfte Anfang der 1990er Jahre das Areal auch weiterhin als Übungsgebiet für Tiefflug-Bombenabwürfe mit Militärjets nutzen. Nach viel Gegenwehr durch Bürgerinitiativen und eben auch zahlreiche Friedensmärsche rund um das Gelände lenkte die Bundeswehr vor 15 Jahren ein und verwarf die Pläne. Inzwischen betreibt die Sielmann-Stiftung einen kleinen Teil der Heide als erlebbare Naturlandschaft, die auf einem etwa zehn Kilometer langen Korridor auf dem ausgewiesenen Wanderweg betreten werden darf. Der größte Teil des Bombodroms ist allerdings immer noch kampfmittelbelastet und wird das sicher noch viele Generationen lang bleiben.

Blick vom Sielmannturm über die Kyritz-Ruppiner Heide (Foto: ©Bernd F. Bernhard)
Klar, die Blüte auf breiter Fläche war der absolute Hingucker heute, obwohl sicher noch in den nächsten Tagen und Wochen etwas mehr Farbtupfer dazukommen. Was mir diesmal wieder auffiel: der Teil zwischen dem Zugang in Neuglienicke und dem Aussichtsturm (ca. vier Kilometer lang) ist wunderbar, hier sollte man auf jeden Fall den Weg mitten durch die Heide und nicht den am Rand wählen. […]“
Und recht hatte Frank mit seinem Hinweis. Das erste kleine Stück Heide machte zwar einen ziemlich trostlosen Eindruck, doch schnell war klar, dass dieser Bereich kurz zuvor aus pflegerischen Gründen abgeflammt wurde und dadurch auch einige der Bäume im unteren Bereich Brandspuren aufwiesen.

Konik-Pferde als Landschaftspfleger (Foto: ©Bernd F. Bernhard)
Der Rest, der sich über Kilometer erstreckenden Heidelandschaft ließ jedoch unsere Herzen höherschlagen und wir fragten uns, warum so viele Menschen in die Lüneburger Heide reisen, wo eine riesige, nicht von Straßen durchkreuzte Heidelandschaft in Brandenburg vor unserer Tür liegt. Vielen ist auch nicht bekannt, dass Brandenburg das Bundesland mit den meisten Heideflächen ist.
In Höhe Rossow verließen wir den Heidebereich und begaben uns zwischen dem Waldsaum und den bis zum Horizont reichenden Sonnenblumenfeldern in Richtung Fretzdorf. Wieder nahm ich dankend den Tipp von Frank auf und so liefen wir im Bogen über den Schmiedeweg östlich der Landstraße, um dann über die Dosse zu unserem Ziel in Fretzdorf zu gelangen.

Diverse, nach Vögeln benannte Rastplätze (Foto: ©Bernd F. Bernhard)
Ca. 30 Minuten vor Eintreffen des Zuges aus Wittstock erreichten wir den Bahnhof einer eingleisigen Strecke, nachdem wir zuvor noch einen Blick auf das Schloss und die Dorfkirche von Fretzdorf geworfen hatten und einer größeren Gruppe von Damwild begegnet waren.
Weitere Impressionen zur Tour finden sich bei Komoot: https://www.komoot.com/de-de/tour/3216272791
Bernd F. Bernhard
Zertifizierter DWV-Wanderführer®
Ausbildung zum Natur- und Landschaftsführer (BANU)
Spezialisiert auf Mehrtages-, Nacht- und Radwanderungen
