Die europäische und deutsche Wanderbewegung hatte zum gemeinsamen Wandertag 2026 in die Erzgebirgsregion eingeladen. Die höchstgelegene deutsche Stadt Oberwiesenthal und die höchstgelegene europäische Stadt Bozi Dar waren Gastgeber dieses großen Wanderevents. Und auch der Märkische Wanderbund war mit Teilnehmern, ergänzt durch die „Flinken Füße“, vor Ort.

Schönjungferngrund (Foto: ©Steffen Hercher)

Die individuellen Wanderungen des Verbandes führten uns zuerst auf den Fichtelberg. Der steile und anstrengende Aufstieg durch den Schönjungferngrund hatte schon seinen besonderen Reiz. Auf dem Gipfel  auf 1.214,88 m über NN war es dann nicht nur ausreichend kalt und feucht, es war auch äußerst stürmisch. Nach einer heißen Suppe und einem aufwärmenden Grog begann der Abstieg. Über die alte Bobbahn, quer durch den Sachsenforst und vorbei am „Hotel Jens Weisflog“, erreichten wir wieder unser Quartier.

Abstieg im Sachsenforst (Foto: ©Steffen Hercher)

Nach diesen Strapazen wollten wir den nächsten Tag etwas gemütlicher angehen. Immer rechts und links der Fichtelbergbahn ging es zuerst zum „Stalinschacht“. Hier hatte die Sowjetunion nach 1945 kurzzeitig die IG Wismut erfolglos nach Uran suchen lassen. Immer weiter bergab wanderten wir über Kretscham-Rothensehma zur Trinkwassertalsperre Cranzahl und letztlich zu unserem Tagesziel dem Bahnhof Cranzahl.

Vor dem „Hotel Jens Weisflog“ (Foto: ©Hercher)

Da der Wandertag beiderseits der Grenze stattfand, wollten wir auch die tschechische Seite, das Krušné Hory, erkunden. Am Grenzübergang wanderten wir zunächst hinunter in das schöne Städtchen Bozi Dar, der Heimstatt des Erzgebirgsdichters Anton Günter. In unzähligen Liedern beschrieb und besang er die Schönheit des Erzgebirges. Über das Gottesgaber Hochmoor ging es dann immer entlang des Plattengrabens. Dieser um 1550 künstlich angelegte Graben diente der Wasserversorgung der Bergwerke als „Energieträger“. Ein schöner Wurzelweg entlang des Grabens forderte schon höchste Aufmerksamkeit. Vom Blatensky Virch hatten wir eine feine Sicht über das Gebiet. Zurück fuhren wir dann für gerade mal einen Euro mit dem Bus wieder hinauf zur Grenzstation.

Gottesgaber Hochmoor (Foto: ©Steffen Hercher)

Am Donnerstag hatten wir dann noch eine besondere Aufgabe. Die Teilnehmer des Eurorando sollten einen Stein aus ihrer Region für das „Steiner Herz Europas“, dem Bild der Verbundenheit mit dem europäischen Gedanken, mitbringen. Diesen hatten wir abgelegt, bevor wir links und rechts der deutsch-tschechischen Grenze gen Ehrenzipfel zogen. Auf halber Strecke kam es dann ganz zufällig zu einem Treffen der besonderen Art. Die „Wimpelwandergruppe“ aus dem Eichsfeld war kurz vor ihrem Ziel.

Im Zechengrund (Foto: ©Steffen Hercher)

Die letzte Wanderung führte uns dann durch den wundersamen „Zechengrund“, ein Naturlehrpfad zu den Stätten des Silber- und Erzbergbaus in der Region. Über die „Sachsenbaude“ und dem alten „Einersessellift“ liefen wir ins „Basislager Prijut“ und weiter zum Tagesziel an unserem  Hotel.

Insgesamt sind es dann doch noch 65 km und ca. 1.850 m bergan und 2.800 m wieder bergab geworden. Ein Applaus an alle Teilnehmenden.

Großer Festumzug (Foto: ©Steffen Hercher)

Den Höhepunkt aber bildete der große Festumzug am Samstag. Viele internationale Gäste aus Andalusien, Frankreich, Slowenien und weiteren Staaten trafen sich oberhalb von Bozi Dar zur Enthüllung des „Steinmonumentes Europa“ und wanderten dann gemeinsam die Alte Poststraße hinunter zum großen Festumzug durch Oberwiesenthal.

Wir verfolgten gemeinsam bei strahlendem Sonnenschein die große Bergparade der Erzgebirgischen Bergmannskapellen. Zeit für einen kleinen Schwatz mit den Spaniern oder den eigenartigen Waldgeistern aus Slowenien blieb dann auch noch.

Der Waldgeist kommt… (Foto: ©SteffenHercher)

Steffen Hercher
Zertifizierter DWV-Wanderführer®
Zertifizierter Natur- und Landschaftsführer (BANU)