Nach viel Schnee, Eis und Regen gab es an diesem Tag zwar Frost, aber keinen Wind und die Wege waren ideal zum Wandern. Die Tour startet im Sonnenschein, zwischendurch gibt es mal ein paar Wolken, aber dann kommt die Sonne wieder raus und wir merken es auch auf der Strecke. Das schöne Wetter hat einige Menschen nach draußen gezogen.

Nach einer kurzen Einführung starten wir vom Bahnhof Groß Kreutz auf dem Sonnensystemweg Richtung Deetz. Rechts und links befinden sich Felder und die Landschaft ist hügelig. Wo jetzt ein Insektenhotel steht und früher Obstbaumplantagen waren, haben wir einen schönen Blick darauf. Vereinzelt sind die Felder durch Knicks voneinander getrennt, die den Lebewesen in der Region noch Schutz und Nahrung bieten.

 

Pfad zwischen den Erdelöchern

In Deetz angekommen geht es, vorbei am Friedhof, hoch auf den Mühlenberg, der eine wunderbare Aussicht auf die Havel bietet. Den Ort Deetz lassen wir rechts liegen und biegen ab auf eine kleine Nebenstraße, die uns zum Wanderweg an die Erdelöcher führt. Der Weg schlängelt sich durch die von Gräben durchzogenen Wiesen, bevor er im Dickicht um die noch eisbedeckten Erdelöcher verschwindet. Der Schritt aufs Eis ist allerdings nicht ratsam, denn es ist tief hier und am Rand zeigt sich bereits, dass es anfängt zu tauen.

Ein kleines Stück gehen wir auf dem Havelradweg entlang, bevor wir zu der Stelle mit dem Abzweig zur kleinen Drehbrücke kommen, die über einen Stichkanal führt, der in der Havel endet. Sie gehörte einst zu einer der Ziegeleien in Götzer Berge. Dort angekommen stehen wir zuerst vor der Ziegeleibesitzer-Villa von Hauptmann Daude, erbaut um 1906, die nach dem Ende der Ziegelei wechselnde Besitzer hatte. Derzeit gehören Villa und Gelände der gGmbh „Landwerk Götzer Berge – Werkstatt für Grün, Kultur und Wissen“, die jetzt gemeinsam mit dem Wohnprojekt „Ländlich Wohnen e.G.“ versucht, dieses Gelände zu einem attraktiven Mehrgenerationen-Wohnort im Grünen zu machen.

 

Erdelöcher

Anfang des 20 Jahrhunderts gehörte Götzer Berge zu den Ausflugszielen einer sprunghaft wachsenden Bevölkerung in Berlin. Ausflugsdampfer aus Berlin, Potsdam und Brandenburg hielten in „Neu-Westerland“, das am Ende des Ortes an der Havel lag und wo von den Restaurantbesitzern im Ort in den Sommermonaten ein weiteres, sehr gut besuchtes Ausflugslokal betrieben wurde. Das Restaurant wurde im Krieg zerstört und seit DDR-Zeiten findet sich dort eine Bungalowsiedlung namens „Mückenheim“. Statt Anlegestelle für Dampfer gibt es nur noch einen Bootsanleger.

Elmar Krämer verschlägt es 2014 nach Götzer Berge und sein Beitrag für den Deutschlandfunk, in dem er Alteingessene und Neuankömmlinge befragt, trägt den Titel „Sehnsucht nach Stille“. Von den Touristenströmen vor dem Zweiten Weltkrieg ist auch für uns nichts mehr spürbar.

Vorbei an gut restaurierten Häusern im Ort geht es in den Wald und wir beginnen den Aufstieg zum Aussichtsturm. Auch hier begegnen uns weitere Besucher, die den Aufstieg auf den Turm wagen und oben auf der Plattform den herrlichen Ausblick genießen. Nach einer kurzen Pause geht es dann durch den Wald Richtung Bahnhof Götz, wo die Wanderung endet.

 

Maren Brodersen
Zertifizierte DWV-Wanderführerin®
Zertifizierte Natur- und Landschaftsführerin (BANU)