Willkommen im Land der Burgen, Rummeln und Riesensteine, so begrüßte ich fünfzehn gutgelaunte Wandersleute ganz herzlich am Bahnhof Medewitz und das bei bestem Wanderwetter. Viele scheuten nicht die weite Anreise aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin, um mich auf traumhaften Wegen im Hohen Flämig, insbesondere der Brandtsheide und dem NSG Spring, zu begleiten.
Nach einer kurzen Vorstellung unserer Strecke starteten wir unweit der Landesgrenze von Sachsen-Anhalt und begaben uns nach Querung der Bahngleise vom RE7 auf den ausgewiesenen Naturpark-Rundwanderweg 71, den wir in Teilen heute als Streckenwanderung liefen.

Weg im NSG Spring (Foto: ©Bernd F. Bernhard)
Unsere Waldwandertour führte uns durch eine völlig naturbelassene, teils urige Gegend, die von Wiesenburg bis nach Sachsen-Anhalt reicht und von unterschiedlichen Waldbildern geprägt ist. So wechselten sich in den dichten Wäldern Fichten, Buchen, Kiefern und Eichen ständig entlang des Weges ab. Eine besondere Faszination übten die riesigen Teppiche der Waldheidelbeeren auf uns aus, die ab Juli ‚geerntet‘ werden wollen. In früheren Zeiten verkehrte hierzu extra ein sogenannter Heidelbeerzug von Dessau nach Medewitz, um die Massen der Pflücker vor Ort zu bringen.

Felder der Waldheidelbeeren (Foto: ©Bernd F. Bernhard)
Unterwegs querten wir mehrfach den Seegraben bzw. die Boner Nuthe, die wir über eine nicht gerade vertrauenerweckende kleine Brücke passierten. Aber wie stand im Netz geschrieben: Sieht baufällig aus, trägt aber noch… und so begaben wir uns lieber einzeln hinüber, um gleich darauf durch die verwunschene ‚Kleine Springer Rummel‘ unseren Weg fortzusetzen. Der Seegraben, ist einer der wenigen Schwindbäche im Fläming. Er versickert irgendwann, um möglicherweise an anderer Stelle, wie z. B. das Flüsschen ‚Verlorenwasser‘, das hierdurch seinen Namen erhielt, wieder hervorzutreten.

Holzbrücke über den Seegraben – Aussehen baufällig, aber – noch – tragfähig… (Foto: ©Bernd F. Bernhard)
Meine Teilnehmer informierte ich darüber, dass die den Hohen Fläming prägenden ‚Rummeln‘ eiszeitliche Trockentäler auf eigentlich skandinavischem Boden sind. Ich sollte hinsichtlich der ‚Trockentäler‘ allerdings schnell ad absurdum geführt werden, stand unser Weg durch die ‚Kleine Springer Rummel‘ an einer mir bekannten Stelle wieder einmal komplett über mehrere Meter unter Wasser.
So erreichten wir das kleine Anwesen des Walddörfchens Spring mit seinen 35 Anwohnern, einem alten Forsthaus und einer Dorflinde, die als Naturdenkmal ausgewiesen ist.

Kleine Springer Rummel – Eiszeitliche Trockentäler? (Foto: ©Bernd F. Bernhard)
Der weitere Weg führte uns durch ein Waldgebiet mit 200jährigen Buchen und einer besonderen Vegetation. An einer kleinen ‚Knorpelschänke‘ legten wir eine kurze Trinkpause ein und liefen danach auf einer Waldallee, die durch das hohe Gras nicht als Weg erkennbar war, zielsicher in Richtung Familienhotel Brandtsheide in Jeserig, wo wir beim Wanderführerkollegen Werner Rudolph einkehrten. Hier ließen wir uns im Freien Kaffee und Kuchen, Spargelcremesuppe oder die preisgekrönte Sülze schmecken.

In der Kleinen Springer Rummel (Foto: ©Bernd F. Bernhard)
Wir umrundeten den idyllischen Jeseriger See in Uhrzeigerrichtung und verließen über die Wiesenburger Straße den Ort. Zwischen weiten Feldern war jetzt für wenige Kilometer ‚Asphalttreten‘ angesagt, ein kurzfristiges Kontrastprogramm zu den naturbelassenen Waldwegen und den kommenden Parkwegen des Wiesenburger Schlossparks.
Schon bald sah man von Weitem die Türme der evangelischen Kirche Sankt Marien und des Schlosses von Wiesenburg, das mal ursprünglich eine Burg war.

Türme von Wiesenburg kommen in Sicht (Foto: ©Bernd F. Bernhard)
Über die Schlossstraße betraten wir, vorbei am kunsthistorisch wertvollen Portal des Schlosses, den 123 ha großen Schlosspark. Wir ließen unseren Blick von der erhöht liegenden Schlossterrasse über die sich vor uns darbietende Gartenlandschaft mit ihren Rabatten, dem Inselsee und dem Schlossteich gleiten.
Trotz der fortgeschrittenen Jahreszeit konnten auf dem Rhododendronweg noch reichlich in Blüte stehende Exemplare, überwiegend in den Farbtönen Rosa und Pink, bewundert werden. Die weißen und gelben Rhododendren waren leider dagegen schon abgeblüht.

Blühender Rhododendronweg (Foto: ©Bernd F. Bernhard)
Vor dem Ziel, dem Bahnhof Wiesenburg, wies ich am ‚Tor zum Fläming‘ meine Wanderteilnehmer noch auf die in bunten Farben erstrahlenden Stelen des Kunstwanderwegs hin, die unlängst mit Mitteln des Märkischen Wanderbunds einen neuen Farbanstrich erhielten. Danach entließ ich die von den Erlebnissen begeisterten Wanderfreunde aus nah und fern auf ihre Heimfahrt.

Stelen am Kunstwanderweg (Foto: ©Bernd F. Bernhard)
Zu weiteren Impressionen der Wanderung verlinke ich zur Aufzeichnung der Tour bei Komoot: https://www.komoot.com/de-de/tour/3017349342
Bernd F. Bernhard
Zertifizierter DWV-Wanderführer®
Ausbildung zum Natur- und Landschaftsführer (BANU)
Spezialisiert auf Mehrtages-, Nacht- und Radwanderungen
