Dieser Wandertag, nahe der Grenze zu Sachsen-Anhalt, war diesmal ausschließlich Autoanreisenden bzw. Fahrgemeinschaften vorbehalten, da in den Nachtstunden kein ÖPNV mehr existiert.

Bei heißem Wanderwetter von 30° im Offenland erschienen trotzdem sieben Wanderfreunde, die mit mir die Rundwanderung durch eines der größten Feuchtgebiete Mitteleuropas mit seltenen Tierarten wie Seeadler, Großtrappe, Biber und Fischotter mit anschließender Beobachtung des Sternenhimmels erleben wollten. Bedauerlicherweise erreichten mich sehr kurzfristig vier Absagen aus gesundheitlichen Gründen. Diesen Wanderfreunden wünsche ich gute und schnelle Genesung.

Start an der Gülper Dorfkirche (Foto: ©Bernd F. Bernhard)

Wir erreichten nach unserem Start um 16:30 Uhr zunächst die Dorfkirche Gülpe, die 1885 als Backsteinbau umgestaltet wurde und als Ort der Stille gerne von den Einwohnern angenommen wird.
Kurz darauf gelangten wir schon zum Biwakplatz, der an der idyllischen Gülper Havel gelegen ist und über einen naturbelassenen Badestrand verfügt. Hier ist das Biwaken für eine Nacht und vier Zelte erlaubt. Es steht ein Plumpsklo zur Verfügung. Dieser Biwakplatz ist in erster Linie Wasser- und Radwanderern vorbehalten.

Naturbelassener Badestrand von Gülpe (Foto: ©Bernd F. Bernhard)

Weiter führte unser Weg vorbei am Sportplatz, einem ausgewiesenen Beobachtungsplatz für Sternenfreunde, hinein in die schier unendliche Offenlandschaft der Feuchtgebiete Nietzewiesen und Meinige.

Ganze Gruppen von Kranichen suchten auf den Wiesen nach Futter und auch ein Reh mit seltener Fellfärbung lugte neugierig zu uns rüber. Leider führte der Weg fast ausschließlich über landwirtschaftliche Plattenwege, die unseren Gelenken so einiges abverlangten.

Zufluss am „Großen Graben zur Havel“ (Foto: ©Bernd F. Bernhard)

Wir überquerten mehrfach den ‚Großen Graben zur Havel‘ und wandten uns schließlich in Richtung der K6326, auf der wir einige Meter in Richtung Wolsier liefen, um dann nach links zum Gülper See abzubiegen. Bis wir am Seeufer ankamen, wo riesige Kolonien von Wasservögeln sich uns präsentierten, führte der Weg entlang am Grabower Graben.

Empfehlenswert ist diese Wanderung in den Herbstmonaten, wo tausende Zugvögel hier rasten, um sich für den Weiterflug gen Süden zu stärken.

In der Ferne Wasservögel am Gülper See (Foto: ©Bernd F. Bernhard)

Sehnsüchtig nach einem verdienten Rastplatz, schlugen wir den Weg nach Prietzen ein und konnten dabei immer wieder den Blick über den ruhig daliegenden Gülper See schweifen lassen und das Starten und Landen von Wildgänsen beobachten.

Nach knapp 10 km unter sengender Sonne kam dann der malerisch gelegene Rastplatz an der Prietzener Bockwindmühle gerade recht. Hier legten wir eine längere, gesellige Pause ein, lauschten auch für kurze Zeit den Stimmen der Natur, verzehrten den mitgeführten Proviant und nahmen einen kräftigen Schluck aus der Flasche. Dabei informierte ich die Teilnehmer über die Örtlichkeiten.

Bockwindmühle Prietzen (Foto: ©Bernd F. Bernhard)

Natürlich galt es danach die historische Bockwindmühle aus dem Jahre 1773 zu inspizieren. Äußerlich restauriert, dient sie heute als Naturbeobachtungs- und Vogelberingungsstation. Nun war es an der Zeit, den Rückweg nach Gülpe anzutreten, wofür wir den Deichweg oberhalb des Gülper Sees wählten.

So konnten wir an zwei Vogelbeobachtungstationen nicht nur Blicke über den beschaulichen Gülper See mit seiner vielfältigen Vogelwelt werfen, sondern kamen auch in den Genuss eines traumhaften, teils blutroten Sonnenuntergangs, der in seiner Schönheit mich aber auch mit berechtigten Sorgen erfüllte…

Deichweg am Gülper See (Foto: ©Bernd F. Bernhard)

Bei unseren Autos wieder angelangt, statteten wir uns für die Nachtstunden mit wärmerer Kleidung, Warnweste, Knickarmbändern und Mückenabwehr aus, nahmen die mitgeführten Sitzgelegenheiten aus dem Kofferraum und los gings über beide Havelarme zum versprochenen Sternegucken an einem der dunkelsten Flecken Deutschlands.

Meine Befürchtungen beim Sonnenuntergang sollten berechtigt gewesen sein und so erfüllte sich der Traum von einem rundum schwarzen Firmament mit kristallklaren Sternen bedauerlicherweise nicht ganz.

Ein „Feuerhimmel“ am Gülper See (Foto: ©Bernd F. Bernhard)

Einerseits erschwerte der zunehmende Dreiviertelmond das Erkennen der Sternenbilder und andererseits zog aus nordwestlicher Richtung eine Wolkenwand auf. Das Wetter-Radar ließ keinen Zweifel aufkommen, dass sich in absehbarer Zeit daran etwas ändern würde.

Trotzdem machten wir das Beste aus dieser Situation. Zeitweilig stellten wir alle Gespräche ein und lauschten mit Blick auf den steigenden Mond den Stimmen und Schemen der nächtlichen Natur abseits der Zivilisation. Und es war eine ganz besondere Erfahrung, die man sonst selten im Leben machen kann, – so herrlich friedlich!

Die Gülper Havel in „nautischer Dämmerung“ (Foto: ©Bernd F. Bernhard)

Gegen 23:30 Uhr verließen wir unseren stillen Platz an der Gülper Havel, um nach einem Kilometer Fußmarsch mit den Autos die Heimfahrt über die brandenburgischen Landstraßen anzutreten.

Ich danke allen Mitwanderern für ihren Zuspruch und werde auf Wunsch diese Wanderung in leicht veränderter Form, dann aber möglichst bei Neumond erneut anbieten. Unbestritten ist, dass alles dann vom Wetter abhängig sein wird.

Ein Teil des Firmaments über Gülpe (Foto: ©Bernd F. Bernhard)

Weitere Impressionen zu dieser Wanderung finden sich in der Tourenaufzeichnung bei Komoot: https://www.komoot.com/de-de/tour/3141990903

Bernd F. Bernhard
Zertifizierter DWV-Wanderführer®
Ausbildung zum Natur- und Landschaftsführer (BANU)
Spezialisiert auf Mehrtages-, Nacht- und Radwanderungen