Wir starten unsere Wanderung gegen 10.25 Uhr, als die letzten vier Mitwanderer aus der S-Bahn steigen, auf dem S-Bahnhof Berlin-Spindlersfeld, der 1892 am Ende einer Nebenstrecke der Görlitzer Bahn für die Mitarbeiter der Chemischen Reinigung und Wäscherei Spindler angelegt wurde. Damit hatte Coepenick zwei Bahnhöfe, heute als Berlin-Köpenick zwei S-Bahnhöfe.

Durch die Gloriastraße kommen wir zum fünften Gleis, das direkt zur Fabrik führte. Wir folgen dem ehemaligen Gleisverlauf, der nach der Wende entfernt und asphaltiert wurde, zum Ernst-Grube-Park. Von hier aus sehen wir das ehemalige Kutscherhaus, in dem die Fahrer der Lieferkutschen untergebracht waren. Weiter geht es zum ehemaligen Gärtnerhaus und zum Wohnhaus der Spindlerbrüder, das sie nach dem Tode Wilhelm Spindlers bewohnten. An der Spree entlang und an der Wasserstadt vorbei erreichen wir dann das Viereck. Am 14. April 1873 wurde, noch im Beisein von Wilhelm Spindler, der Wasserflügel eröffnet. Später kamen dann noch der Waldflügel und die beiden Landflügel an der Seite dazu. Wasser- und Waldflügel sind jeweils 135 Meter lang, die beiden Landflügel je 150 Meter. Heute ist das Gebäude eine Wohnanlage.

Vorbei am ehemaligen Badehaus, am Pförtnerhaus aus Scheringzeiten und am Speisesaal erreichen wir das Rewatex-Areal, das in den siebziger Jahren der Tradition folgend errichtet wurde. In U-Form gibt es hier moderne Wohnhäuser und dazwischen eine Kita, zu DDR-Zeiten Kinderkrippe und Kindergarten für die Arbeiterfamilien von Rewatex. Tradition deshalb, weil die Spindlers 1873 die ersten im Land Brandenburg waren, die für ihre Arbeiter eine Wohnsiedlung errichteten. Die besichtigen wir als nächstes in der Mentzelstraße, benannt nach dem Freund von Carl Spindler, dem Prokuristen Albert Mentzel. Am Ende der Straße, an der Oberspreestraße steht das ehemalige Dorotheenlyzeum, die Köpenicker Mädchenschule, vom Bauhausarchitekten Max Taut entworfen. Ursprünglich war das Gebäude mit gelben Fliesen verkleidet. Die wurden zu DDR-Zeiten entfernt und es wurde stattdessen Rauhputz aufgetragen. Heute ist das die Alexander-von-Humboldt-Schule.

Jagdkanzel Kanonenberge (Foto: ©Heiner Majewski)

Wir wandern weiter über die Lange Brücke und auf die Schloßinsel. Hier herrschte einst Jacza von Copnick, bis Albrecht der Bär mit seinen Askaniern im 12. Jahrhundert die Slawenherrschaft beendete, die Mark Brandenburg gründete und sich selbst als Markgraf einsetzte. Heute steht dort der Seitenflügel einer geplanten dreiflügligen Schlossanlage. Für den Rest war wohl kein Geld mehr da.

Dann geht es in den Wald, zuerst parallel zum Müggelheimer Damm und dann an den Kanonenbergen vorbei auf Trampelpfaden hoch in die Müggelberge. Am Teufelssee machen wir eine längere Pause. Wir besuchen danach den Kleinen Müggelberg, wo wir im Müggelturmrestaurant einkehren.

Teufelssee in den Müggelbergen (Foto: ©Heiner Majewski)

Auf der Müggelbergallee erreichen wir die Fähre, die 1870 von Carl Spindler gemeinsam mit Fährmann Wöse eingerichtet wurde, um den Besuchern vom Müggelturm die Möglichkeit zu geben, direkt vom Bahnhof Grünau auf geradem Wege ihr Ziel zu erreichen. Man konnte mit der Kutsche in die Berge fahren und, wenn man abends nicht mehr nach Hause konnte, in dem Fährhaus übernachten. Das wurde irgendwann zu klein, also baute man ein größeres Gasthaus ein Stück weiter, das „Wendenschlößchen“. 1905 wurde die entstandene Siedlung danach Wendenschloß genannt.

Nach der Fährüberfahrt teilt sich die Gruppe, die meisten laufen direkt auf der Wassersportallee zum Bahnhof Grünau, drei kehren noch im Café Liebig ein.

Insgesamt war es eine historisch interessante Tour. Das Wetter war trocken, wenn auch etwas kühl. Die Sonne schien nur kurze Zeit.

Weitere Impressionen finden sich in der Tourenaufzeichnung bei komoot: https://www.komoot.com/de-de/tour/3356268322

Heiner Majewski
Trainer C in der Sportart WANDERN im Breitensport
Lizenziert vom BWBV e.V. für den Gesamtbereich des LSB